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Psychische Auswirkungen der Parkinson-Erkrankung

Bei Parkinson-Patient:innen treten häufig auch psychische Beschwerden auf – bei über der Hälfte der Betroffenen kommt es im Laufe der Jahre zu seelischen und geistigen Störungen. Die wichtigste psychische Störung ist die Depression; sie kann bereits sehr früh im Krankheitsverlauf auftreten. Zu den psychischen Symptomen der Parkinson-Krankheit gehören zudem unter anderem:

  • Demenz
  • kognitive (= geistige) Störungen, zum Beispiel Störungen des räumlichen Sehens und der zeitlichen Einordnung, vermindertes Problemlösungsvermögen, Rückgang der Spontanität
  • Angststörungen (mit Panikattacken)
  • psychotische Episoden
  • im erweiterten Sinne auch Schlafstörungen

Depression bei Parkinson

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Parkinson-Patient:innen erleben häufig Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und einen Verlust von Interesse und Freude. Dauern diese Symptome länger als zwei Wochen an, so kann dies Anzeichen für das Vorliegen einer Depression sein. Durchschnittlich sind etwa 40 Prozent aller Parkinson-Patient:innen von einer Depression betroffen. Die Änderung der Stimmungslage ist zudem ein häufiges Frühzeichen der Parkinson-Erkrankung und kann bereits vor den motorischen Störungen auftreten.

Eine mögliche Ursache für das häufige Auftreten von Depression beim Parkinson-Syndrom ist eventuell das Ungleichgewicht wichtiger Botenstoffe im Gehirn. So wird zum Beispiel durch den Parkinson-typischen Dopaminmangel auch die Aktivität bestimmter „Glückshormone“ gestört. Zudem können die gesundheitlichen Einschränkungen, die die Betroffenen durch die Erkrankung erleben, zu Traurigkeit und Ängsten führen. Bereits die Diagnose „Parkinson-Krankheit“ bedeutet für viele Patient:innen zunächst einen Schock, der tiefe Unsicherheit auslöst.

Es muss jedoch auch berücksichtigt werden, dass die Verarmung der Mimik und die verlangsamten Bewegungen eine depressive Stimmungslage gelegentlich vortäuschen können; so kann durch ein ausdrucksloses Gesicht der (falsche) Eindruck entstehen, dass die erkrankte Person teilnahmslos oder traurig ist.

Die Schwere der Depression hängt in den meisten Fällen nicht mit dem Schweregrad und der Dauer der Parkinson-Erkrankung zusammen. Je nach Stärke der depressiven Beschwerden stehen unterschiedliche Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung; hierzu zählt auch eine Optimierung der Parkinson-Medikation.

Demenz bei Menschen mit Parkinson

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Untersuchungen haben gezeigt, dass es bei durchschnittlich
20 Prozent aller Parkinson-Patient:innen zu einer Störung der Gehirn- und Gedächtnisleistung (Demenz) kommt. Wie hoch das individuelle Demenz-Risiko für die Betroffenen tatsächlich ist, hängt dabei vom Alter der erkrankten Person sowie von der Dauer der Erkrankung ab. Bei Patient:innen, die bereits sehr früh am Parkinson-Syndrom erkrankt sind (vor dem 40. Lebensjahr), besteht zum Beispiel nur ein sehr geringes Demenz-Risiko.

Das Durchschnittsalter von Patient:innen, die aufgrund der Parkinson-Erkrankung eine Demenz entwickeln, liegt bei ungefähr 72 Jahren. Allgemein erkranken Parkinson-Patient:innen etwa sechsmal häufiger an Demenz als die Allgemeinbevölkerung.

Während bei der bekannten Alzheimer-Demenz vor allem Gedächtnisstörungen auftreten, kommt es bei der Parkinson-Demenz vor allem zu folgenden Störungen:

  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • verlangsamtes Denkvermögen
  • Probleme beim Planen und Organisieren
  • Wortfindungsstörungen
  • Probleme bei der räumlichen Orientierung
  • Veränderungen in der Persönlichkeit
  • Verhaltensstörungen
  • Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit
  • Depressionen
  • Halluzinationen
  • Gedächtnisstörungen (später im Krankheitsverlauf): Die Betroffenen können weiterhin „Neues“ lernen, es fällt ihnen jedoch schwer, auf die neu abgespeicherten Informationen zuzugreifen. Daher können Gedächtnishilfen wie zum Beispiel Merkzettel für Parkinson-Patient:innen durchaus hilfreich sein.

Generell gilt: Jeder Mensch vergisst einmal etwas oder hat einen „schlechten Tag“. Die Diagnose Demenz wird erst dann gestellt, wenn die Gehirn- und Gedächtnisstörungen mindestens sechs Monate andauern und die betroffene Person aufgrund dieser Störungen den Alltag nicht mehr gut bewältigen kann. Wie alle Formen der Demenz ist auch die Parkinson-Demenz noch nicht heilbar, es gibt aber Therapiemöglichkeiten, welche die Beschwerden lindern und die Gehirnleistung verbessern können.

Zusätzlich zu der medikamentösen Behandlung spielen psychosoziale Maßnahmen, die auch Angehörige mit einbeziehen, eine wichtige Rolle. Schon frühzeitig sollten Betroffene bzw. deren Familien sich nach Beratungsangeboten für Angehörige, nach mobilen Hilfsdiensten, finanzieller Unterstützung und Urlaubsbetreuung erkundigen. Mit der zuverlässigen Einnahme von Medikamenten, Krankengymnastik, gesunder Ernährung und viel Bewegung können Erkrankte einiges tun, um den Verlauf der Demenz günstig zu beeinflussen.

Neben der Parkinson-Erkrankung selbst können auch bestimmte Medikamente die psychischen Störungen auslösen oder begünstigen. So können die Antiparkinson-Medikamente zum Beispiel zu plötzlichen Schlafattacken oder Trugwahrnehmungen (Halluzinationen) führen. Bei manchen Parkinson-Patient:innen kommt es aber auch zu Verhaltensstörungen: Die Patient:innen geraten in einen Kaufrausch, werden spielsüchtig oder entwickeln ein übermäßig starkes sexuelles Verlangen. In der Regel lassen sich diese Störungen durch eine Umstellung der Medikamente und/oder durch eine Verhaltenstherapie sehr gut behandeln. Eine ärztliche Abklärung der psychischen Beschwerden und Verhaltensstörungen ist jedoch in jedem Fall erforderlich.

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Letzte Aktualisierung: Juni 2022