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Vielversprechende Ansätze, doch noch ist Geduld gefragt

Morbus Parkinson gehört zu den Erkrankungen, die auch wegen des demographischen Wandels weltweit stark zunehmen. So hat sich die Zahl der Patient:innen allein zwischen 1990 und 2016 weltweit verdoppelt. Neben dem Alter zählt auch eine genetische Veranlagung zu den Risikofaktoren; außerdem werden bestimmte Umweltparameter wie Pestizide oder Metalle als mögliche Risikofaktoren diskutiert.

Eine Heilung der neurodegenerativen Erkrankung ist trotz intensiver Forschung derzeit nicht möglich, allerdings befinden sich einige, nach Ansicht von Expert:innen vielversprechende Therapieansätze in der Erforschung. Dazu zählen Antikörper gegen das bei Parkinson typischerweise falsch gefaltete und verklumpte Protein α-Synuclein, von denen sich auch einige schon in der klinischen Prüfung befinden. Darüber hinaus gibt es die Hoffnung, mit kleinen Molekülen, sogenannten „small molecules“, das Zusammenkleben der krankhaften Proteine verhindern zu können.

Peptide verlangsamen die Ausbreitung von α-Synuclein

Zu den aktuell im Tiermodell erforschten Ansätzen zählen auch zwei verschiedene Peptide (Aminosäureketten), die helfen sollen, die Ausbreitung von α-Synuclein im Gehirn zu verlangsamen. Dieses Protein kommt bei Morbus Parkinson in abnormen Proteinablagerungen, den sogenannten Lewy-Körperchen, im Gehirn vor und führt zum Absterben von Nervenzellen.

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In einer Studie mit Parkinson-Mäusen dämpften die im Labor entwickelten Peptide die durch α-Synuclein ausgelöste Entzündung im Gehirn. Darüber hinaus stoppten sie die Ausbreitung des schädlichen Proteins und schützten dopaminerge Neurone vor dem Untergang. Ferner ließ sich bei den Tieren auch eine Verbesserung des Gangs, des Gleichgewichts und anderer motorische Funktionen beobachten. Damit lieferte die Untersuchung an den Mäusen zusätzliche Ansatzpunkte zum generellen Verständnis der Erkrankung. Ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden können, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Die Fehlfaltung von α-Synuclein verhindern

Laborexperimente

Eine Stufe früher wollen Wissenschaftler:innen der University of Bath in Großbritannien in das Krankheitsgeschehen von Morbus Parkinson eingreifen und bereits die Fehlfaltung von α-Synuclein, die zur Verklumpung und damit zum Absterben von Nervenzellen führt, verhindern. Sie konnten ein Peptid identifizieren, das möglicherweise als Kandidat für diese Aufgabe in Frage kommt. In Laborexperimenten konnte damit die Anhäufung von α-Synuclein zu toxischen Klumpen verhindert werden.

Die Wirkung des Peptids auf die Verklumpung von α-Synuclein und das Überleben von Nervenzellen in Zellkulturen zeige, dass nun bekannt sei, wo am α-Synuclein-Protein man ansetzen müsse, um dessen schädliche Wirkung zu unterdrücken. „Diese Forschung wird nicht nur zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden zur Vorbeugung der Krankheit beitragen, sondern sie deckt auch grundlegende Mechanismen der Erkrankung selbst auf und fördert unser Verständnis dafür, warum sich das Protein überhaupt falsch faltet", zeigte sich Dr. Richard Meade, der Hauptautor der Studie, optimistisch.

Nun müssen die Forscher:innen allerdings einen Weg finden, wie sie das Peptid so verändern können, dass es in die Gehirnzellen gelangen kann. „Dieser Prozess wird einige Jahre dauern, aber es ist eine vielversprechende Entdeckung, die den Weg für ein neues Medikament in der Zukunft ebnen könnte“, erklärte Dr. Rosa Sancho, Forschungsleiterin bei der britischen Forschungsorganisation Alzheimer's Research UK, die die Arbeiten unterstützt hat.

Dyskinesien verhindern

Dopaminrezeptor

Einen Wirkstoffkandidaten, der zwar nicht die Ursache des Morbus Parkinson, dafür aber eine belastende Begleiterscheinung der langfristigen Levodopa-Therapie, die Dyskinesie, reduzieren soll, erforschen derzeit Wissenschaftler:innen aus Texas.

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung Levodopa-induzierter Dyskinesien scheint dem Dopamin-D3-Rezeptor zuzukommen, allerdings ist es schwierig, einen Wirkstoffkandidaten zu finden, der ganz spezifisch nur mit diesem Rezeptor interagiert.

Mithilfe von Computersimulationen identifizierten die Forscher nun eine chemische Verbindung, die diese Eigenschaft erfüllt, und untersuchten in anschließenden Zellkulturtests, wie gut sie an den D3-Rezeptor im Vergleich zu den anderen Dopaminrezeptoren bindet. Dabei stellten sie fest, dass die Selektivität für D3 fast 1500-mal höher war als für den Rezeptor D2, der strukturell sehr ähnlich ist.

Im Tiermodell der Parkinson-Krankheit reduzierte das kleine Molekül mit der Bezeichnung PD13R die Dyskinesie um mehr als 85 %. Außerdem schliefen die Tiere besser als unter einem anderen, aktuell bei Dyskinesien eingesetzten Wirkstoff. Die Wissenschaftler:innen sind zuversichtlich, PD13R in ein bis zwei Jahren auch in klinischen Studien untersuchen zu können, welche wiederum eine Voraussetzung für eine potenzielle Marktzulassung sind.

Körperliche Aktivität hilft, die Progression zu bremsen

Mann_Nordic_Walking

Bis neue Therapieansätze wie die oben beschriebenen allerdings verfügbar sind, gilt es, die parkinsontypischen Symptome mit den aktuell zur Verfügung stehenden Medikamenten zu behandeln und die Krankheitsprogression z. B. auch durch körperliche Aktivität zu bremsen.

So zeigt beispielsweise eine aktuelle Studie aus Japan mit mehr als 230 Parkinson-Patient:innen, dass regelmäßige körperliche Aktivität langfristig mit einer deutlich langsameren Verschlechterung der Haltungs- und Gangstabilität, der Aktivitäten des täglichen Lebens und der geistigen Verarbeitungsgeschwindigkeit verbunden war. Allerdings war für eine positive Beeinflussung der Haltungs- und Gangstabilität eine mäßige bis starke körperliche Betätigung vonnöten, während die kognitiven Fähigkeiten bereits von leichteren bis mäßigen Aktivitäten wie Garten- oder Hausarbeit profitierten.

Ähnliche Ergebnisse erbrachte auch eine niederländische Studie, die zeigen konnte, dass Ausdauersport die Plastizität und Vernetzung der für Bewegungen verantwortlichen Hirnregionen fördert und so dem Abbau motorischer und kognitiver Funktionen bei Morbus Parkinson aktiv entgegenwirkt.

Warten Sie also nicht, bis die Forschung neue Erfolge verkündet, sondern werden Sie selbst aktiv. Es hilft Ihnen!