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Schluckstörungen: Hilfe gegen den Kloß im Hals

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Essen und Trinken dienen nicht nur der Nahrungsaufnahme, sie sind wichtiger Bestandteil unserer Lebensqualität. Ein leckeres Essen, gemeinsam mit Familie oder Freunden genossen, sorgt für Wohlbefinden und sozialen Austausch. Parkinson-Patienten, denen das Schlucken aufgrund einer krankheitsbedingten Schluckstörung (Dysphagie) jedoch schwerfällt, geraten in Gefahr, nicht nur zu wenig zu essen und zu trinken, sondern sich auch sozial zu isolieren.

In jedem Fall bedeuten Schluckstörungen für Betroffene und ihre Angehörigen einen deutlichen Verlust an Lebensqualität. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung können sie sogar zu einer Lungenentzündung führen, wenn Nahrungsteilchen in die unteren Atemwege gelangen. Erste, oft indirekte Anzeichen für Schluckstörungen können trockene Haut, Gewichtsverlust, plötzliches Fieber oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes ohne klare Ursache sein.

Die Angst vor dem Verschlucken verdirbt den Appetit

Die klassischen Anzeichen einer Dysphagie treten direkt beim Essen und Schlucken auf: Betroffene verschlucken sich oft beim Essen oder Trinken, aber auch an Speichel. Sie müssen sich häufig räuspern und haben das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben, nach dem Schlucken atmen sie schwer. Das Essen fällt ihnen schwer, selbst kleine Portionen erfordern viel Zeit. Die mögliche Folge: Betroffene verweigern die Nahrungsaufnahme aus Angst, sich zu verschlucken.

Für die Diagnose von Schluckstörungen stehen verschiedene Fragebögen und ein sogenannter Wassertest zur Verfügung, die jedoch nicht sehr spezifisch sind. Am besten gelingt der Nachweis einer Dysphagie über eine winzige Kamera (Videofluoreskopie), die dem Patienten an einem dünnen Schlauch durch die Nase eingeführt wird. Damit suchen Ärzte dann nach Anzeichen dafür, dass beim Schlucken etwas schief geht, und bei welcher Konsistenz der Nahrung möglicherweise Probleme bestehen. Eine Fastenphase oder Betäubung sind für diese Untersuchung nicht notwendig.

Muskeltraining für besseres Schlucken

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Muskeltraining für besseres Schlucken

Da parkinsonbedingte Schluckstörungen durch die bei der Erkrankung eingeschränkte Muskelfunktion entstehen, kann das Training von Muskeln und Organen, die am Schlucken beteiligt sind, die Nahrungsaufnahme erleichtern. Eine zentrale Rolle nehmen hierbei Logopäden ein. Gute Resultate erzielt das Training der am Schlucken beteiligten Muskelgruppen durch das Lee Silverman Voice Treatment (LSVT® LOUD). Die ursprünglich zur Behandlung von parkinsonbedingten Sprech- und Stimmstörungen entwickelte Therapie stärkt insbesondere die Funktion von Zunge und Zungenbasis.

Auch ein vierwöchiges Training mit dem Ausatemtrainer EMST150, das vor allem die für das Ausatmen verantwortliche Muskulatur stärkt, scheint zur Behandlung von Schluckstörungen hilfreich zu sein. In Form von Biofeedback funktioniert die video-assistierte Schlucktherapie (VAST), bei der den Patienten Videos eines normalen Schluckvorgangs sowie ihres eigenen, veränderten Schluckvorgangs (endoskopisch gefilmt) demonstriert wird. Dabei erläutert der Therapeut, was der Patient selbst tun kann, um Änderungen zu erzielen. Der Vorteil des Verfahrens: Dysphagie-Diagnostik und -Therapie lassen sich unmittelbar miteinander verknüpfen

Richtig essen bei Dysphagie

Betroffene und ihre Angehörigen können jedoch auch selbst etwas tun, um das Schlucken von Speisen und Getränken zu erleichtern. So hat sich das Andicken von Flüssigkeiten, egal ob als Getränk oder Mahlzeit, bewährt. Bei einer Konsistenz wie Sirup, Honig oder Pudding ist das Risiko für eine Aspiration, also das Einatmen oder Verschlucken von Nahrung und Flüssigkeit in die Lunge, deutlich reduziert.

Dabei sollten sie darauf achten, dass das Verdickungsmittel nicht nur aus Stärke, sondern auch aus pflanzlichen Ballaststoffen wie Xanthan oder Guarkernmehl besteht. Denn die Stärke wird bereits im Mund durch die im Speichel vorhandenen Enzyme wieder gespalten, der Nahrungsbrei wird dadurch wieder flüssiger und ist somit nicht mehr aspirationssicher.

Weiche Speisen rutschen leichter

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Weiche Speisen rutschen leichter

Feste Nahrungsmittel sollten hingegen püriert und/oder durch weichere ersetzt werden. Diese müssen weniger gekaut werden und sind daher leichter zu schlucken. Wichtig ist dabei allerdings, die Speisen kurz vor dem Verzehren zu pürieren, um sicherzugehen, dass sie frei von Klümpchen sind. Tabletten rutschen hingegen mithilfe von Apfelmus leichter. L-Dopa darf wegen der Gefahr eines Wirkungsverlustes allerdings nicht mit eiweißreichen Speisen wie Quark oder Joghurt gemeinsam verzehrt werden!

Und noch einen Tipp haben Ernährungsexperten für Dysphagie-Patienten: Bei Mahlzeiten aus mehreren Komponenten (z. B. Kartoffeln, Fleisch und Gemüse) sollten Sie die Komponenten einzeln pürieren und dann auf dem Teller appetitlich anrichten. So bleiben Geschmack und Farbe der einzelnen Bestandteile weitgehend erhalten. Das Auge isst nämlich mit, und ein intensiver Geschmack von Speisen kann Patienten dabei helfen, mehr zu essen und wieder Appetit zu entwickeln.