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Es kribbelt in den Armen, dem Rumpf oder am Kopf? Dahinter könnte ein atypisches RLS stecken!

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Restless Legs Syndrom (RLS) – vom englischen Terminus einmal abgesehen, endlich mal eine Krankheitsbezeichnung, bei der man weiß, was dahintersteckt. Möchte man meinen. Denn wie so oft, ist auch beim Syndrom der ruhelosen Beine, wie RLS auf Deutsch übersetzt werden kann, nicht alles so, wie es scheint.

Tatsächlich konzentrierten sich seit der ersten wissenschaftlichen Beschreibung der Erkrankung im Jahr 1672 die Berichte über das Krankheitsbild auf die Beine. Diese sind auch wirklich am häufigsten von Bewegungsdrang und Missempfindungen betroffen. So berichten knapp drei Viertel der Patient:innen über Beschwerden in den unteren Extremitäten, bei rund drei von vier Betroffenen treten die Beschwerden symmetrisch, also in beiden Beinen auf.

Fast alle Körperbereiche können betroffen sein

In den fünf von einer internationalen Expertengruppe (International RLS Study Group, IRLSSG) festgelegten Kriterien, die für eine gesicherte RLS-Diagnose erfüllt sein müssen (1. Bewegungsdrang; 2. Verschlimmerung in Ruhe; 3. Linderung durch Aktivität;
4. Verschlimmerung in den Abend-/Nachtstunden; 5. Symptome sind nicht ausschließlich auf eine andere medizinische/verhaltensbezogene Erkrankung zurückzuführen) tauchen die Beine allerdings nicht auf.

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Zu Recht, denn neben den Beinen können auch andere Körperbereiche von RLS-typischen Beschwerden betroffen sein, darunter die Arme, das Gesicht, der Kopf, der Bauchraum, die Blase, der Rücken, der Nacken oder die Genitalien, wie eine italienische Forschergruppe untersucht und diese Beschwerden als „atypisches RLS“ definiert hat. Sie weist aber auch darauf hin, dass für die Diagnose eines atypischen RLS zusätzlich zur ungewöhnlichen Lokalisation auch die oben genannten fünf Kriterien erfüllt sein müssen. Als Folge einer atypischen RLS-Ausprägung stellten die Wissenschaftler:innen fest, dass die untypische Lokalisation der Beschwerden die Diagnose der Erkrankung oft erheblich erschwert und verzögert – vor allem, wenn eine Beteiligung der Beine fehlt.

Die Ursachen sind ähnlich

Gemeinsamkeiten mit dem klassischen RLS finden sich bei den atypischen RLS-Symptomen vor allem hinsichtlich des Alters bei der Diagnose (Auftreten v. a. in der 5. Lebensdekade), dem Ansprechen auf eine dopaminerge Therapie und der Tatsache, dass es den Betroffenen hilft, aufzustehen und umherzugehen – auch wenn die Missempfindungen nicht die Beine betreffen. Daneben zeigen Studien, dass Patient:innen mit Beschwerden in den oberen Extremitäten eher über schwerere Symptome berichten und Patient:innen, die später erkranken, eher eine asymmetrische Verteilung der Symptome (z. B. nur ein Bein) zeigten.

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Die Ursachen des RLS und damit auch atypischer RLS-Beschwerden sind bislang nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden neben einer genetischen Veranlagung (idiopathische Form) auch Mangelzustände (z. B. Eisen, Folsäure oder Vitamin B12). Schwangerschaft und verschiedene Medikamente (vor allem Dopaminantagonisten und verschiedene Antidepressiva) können ebenfalls zu RLS führen. Man spricht in diesem Fall von der sekundären Form der Erkrankung. Da Frauen häufiger von RLS betroffen sind als Männer, vermuten Forscher:innen auch einen Einfluss der Hormone auf die Erkrankung. Dies deckt sich auch mit Beobachtungen, dass bestimmte atypische RLS-Beschwerden gehäuft bei Frauen in der Perimenopause aufzutreten scheinen.

Auch verschiedene Erkrankungen wie Niereninsuffizienz mit Dialyse, Polyneuropathie oder Arthritis gehen häufig mit RLS einher. So haben Diabetiker:innen ein etwa vierfach höheres Risiko, RLS zu entwickeln, als die Allgemeinbevölkerung. Dieser Zusammenhang ist insofern nicht verwunderlich, als Diabetes eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Polyneuropathie und Niereninsuffizienz spielt, die wiederum als Risikofaktoren für RLS gelten (s. o.).

Augmentation ist kein atypisches RLS

Breiten sich RLS-Symptome bei Patient:innen unter dopaminerger Therapie auf bislang nicht betroffene Körperbereiche aus, spricht dies nicht für ein atypisches RLS, sondern vielmehr für eine sogenannte Augmentation. Darunter versteht man eine Komplikation, die bei einer Langzeitbehandlung des RLS mit dopaminergen Medikamenten auftreten kann. Weitere Anzeichen dafür sind, dass sich die Beschwerden nach einer anfänglichen Besserung durch die Medikamente wieder verschlechtern, zum Teil sogar stärker werden als sie vor Behandlungsbeginn waren und/oder früher im Tagesverlauf oder nach kürzeren Ruhephasen auftreten.

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Die gute Nachricht nun zum Schluss: Da atypische RLS-Beschwerden auf die gleichen Ursachen zurückgehen wie die klassischen, sprechen sie auch auf die übliche RLS-Behandlung an. So reichen in leichteren Fällen oft schon Verhaltensänderungen (z. B. Verzicht auf koffeinhaltige Getränke), Hausmittel (z. B. warme oder kalte Bäder, Massagen, Eisbeutel) oder regelmäßige körperliche Aktivität, um die Beschwerden zu lindern und die Schlafqualität zu verbessern. Bessern sich die Beschwerden durch diese Maßnahmen nicht, können sie auch medikamentös behandelt werden. Unser Rat deshalb an Sie: Auch wenn atypisches RLS eher selten vorkommt, zögern Sie nicht, Ihren Arzt anzusprechen, wenn Sie typische RLS-Beschwerden an untypischen Stellen verspüren!